Kulturhauptstadt 2010 weit entfernt von einem „Ruhr-New-York“
Anlässlich der Eröffnung der RUHR.2010 hat die NRW School of Governance in Zusammenarbeit mit der FES Hochschulgruppe und
dem Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) eine Podiums-diskussion zum Thema: „Kultur(en)hauptstadt Ruhrgebiet 2010. Selbst- und Fremdbild einer Metropole“ veranstaltet.
Unter der Moderation von Prof. Dr. Tobias Debiel, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen, sowie Markus Lewitzki, Sprecher der FES Hochschulgruppe, sind zunächst positive und negative Assoziationen zum Thema Ruhrgebiet gesammelt worden. So erklärte das Publikum das Ruhrgebiet zwar zu einer postindustriellen Metropolregion, griff aber auch die Vorurteile einer von Industrie, Schmutz und Lärm geprägten Region auf.

(v.l.: Besucher des Panels; Petra Weis; Burak Copur; Prof. Dr. Tobias Debiel und Markus Lewitzki mit Dr. Jörg-Uwe Nieland, Burak Copur und Petra Weis)
Anschließend diskutierten Burak Copur, Migrationsexperte und Stadtverordneter von Bündnis90/Die Grünen in Essen, Petra Weis, ehemalige SPD-Abgeordnete im Deutschen Bundestag, Dr. Jörg-Uwe Nieland, Kulturwissenschaftler, sowie Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance mögliche Auswirkungen und Effekte des Kulturhauptstadt-Projektes.
Der Tenor der Diskussionsteilnehmer war, dass das Ruhrgebiet dem Anspruch einer Metropolregion noch nicht gerecht wird. Es handle sich um eine verkannte und unterschätzte Region, doch deshalb könne man noch nicht von einem „New York im Ruhrgebiet“ sprechen. Das die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner berücksichtigt werden müssen, ist an zahlreichen Publikumsstimmen deutlich geworden. So kritisierte das Plenum, dass oft zwanghaft versucht werde, etwas zu verkaufen. Man müsse sich aber nicht für das Ruhrgebiet entschuldigen, sondern solle sich endlich trauen sich selbstbewusst zu präsentieren - und das inklusive Gasometer, Zechen und Schlote.Weitere Kritikpunkte waren, dass das Projekt zu sehr einer Marketing Kampagne entspreche und die Bürger des Ruhrgebiets nur bedingt erreiche. So wurde der Vorwurf laut, das Programm sei eine Plattform für Eliten, die mit den kulturellen Bedürfnissen der Bewohner nichts gemein habe. Eine renovierte Stadtbibliothek könne beispielsweise einen größeren Beitrag zu Kultur und Bildung leisten, als die Neugestaltung verschiedener Landschaftsteile, so ein Gast.
Auch die Frage des langfristigen Erfolgs ist von vielen Teilnehmern sehr kritisch betrachtet worden. So bereitet vielen die Zeit nach dem Projekt „Kulturhauptstadt 2010“ Sorgen. Die Zeit, wenn die Touristen nicht mehr zu Ausstellungen geladen werden und die Gelder für Projekte ausbleiben.






